Ergebnis der ersten offenen Arbeitskreis-Sitzung am 16.05.2009

 

von 10:00 – 12:30 Uhr im Pfarrjugendheim St. Peter in Merken:
 
Anwesend waren 21 Bürgerinnen und Bürger sowie Herr Sordon vom Planungsamt der Stadt Düren
Der Vormittag hatte zwei Themen:

1. Das Grüne Band durch Merken – Entwicklungs- und Erschließungsmöglichkeiten
2. Gestaltung der Dorfmitte - Kurzworkshop

1. Das Grüne Band durch Merken – Entwicklungs- und Erschließungsmöglichkeiten
Anhand eines Lichtbildvortrags wurden Planungsideen vorgestellt und diskutiert, die auf der Grund-lage
•    der Bürgerinteressen aus den Zukunftswerkstätten
•    des Schlichbachkonzepts 2005 des Wasserverbandes Eifel Rur
•    der baurechtlichen Planungsgegebenheiten (Bebauungsplan)
•    der Bau- und Planungsmaßnahmen von RWEpower am Wall und
•    der örtlichen Bestandserhebungen
vom Planungsbüro entwickelt wurden. (Folien Nr. 7 – 20; Bilder 7 – 21)
Der Erhalt, bzw. die Verbesserung der Grünen Achse ist besonders im Hinblick auf die zu erwartenden Staubimmissionen durch den Tagebau von außerordentlicher Bedeutung. Zusammen mit den Warnungen der Klimaforscher, dass es auch bei uns stetig trockener und heißer werden wird, muss für Frischluftschneisen gesorgt werden. Gerade der Schlichbach und sein Weiher bieten die Chance die Luftfeuchtigkeit zu erhöhen und damit das Mikroklima in Merken positiv zu beeinflussen.

Abschnitt Immissionsschutzwall – Dümpel (Folien Nr. 20 – 25; Bilder 22 – 30):
•    Auf dem Wall sollte ein Spazierweg mit Aussichtspunkten zum Tagebau hin angelegt werden. Zum einen brauchen die Merkener Ersatz für den Wegfall der Spazierwege durch die Felder, andererseits ist es wichtig, dass der Immissionsschutzwall nicht als Mauer empfunden wird, hinter der sich Dinge verbergen, die weil geheimnisvoll auch beängstigend auf die Menschen wirken.
So brutal ein Tagebauloch auch ist, wenn man die Möglichkeit hat, das Geschehen zu beobachten, den Fortschritt zu sehen, bekommt man auch Verständnis für den Abbau. Besonders, da eine ganze Generation damit aufwachsen wird.
Der schmale Weg kann als wassergebundene Decke befestigt werden oder nur schlicht ein Wiesenweg (Mehr Pflege, da regelmäßig gemäht werden muss!) sein. Für die Aussichtspunkte müssen keine großen Plattformen angelegt werden, das Freischneiden des Bewuchses zum Tagebau hin ist vollkommen ausreichend.
Aus Schall- und Staubimmissionsgründen sollte nie an gleicher Stelle auch zum Dorf hin frei geschnitten werden.

Vorgeschlagen wird eine unterschiedliche Bepflanzung der zum Tagebau bzw. nach Merken hin gerichteten Hänge. So könnten die tagebauseitigen Hangschultern aufgrund ihrer vordringlichen Funktion für den Immissionsschutz mit standortheimischen Gehölzen bepflanzt werden, die zu einem Wald der potenziellen natürlichen Vegetation aus Buche (Fagus sylvatica) und beigemischter Trauben-Eiche (Quercus petraea) heranwachsen.
Hingegen werden die dorfseitigen Abhänge offen gestaltet, wodurch die Blickbeziehung von Merken aus einen weniger ausgeprägten „Einkesselungseffekt“ bekommt und für Dammspaziergänger ein visueller Kontakt zum Dorf erhalten bleibt.
Hier sollen artenreiche, blumenbunte Wiesen mit einzelnen Sträuchern und Gebüschgruppen entstehen. Voraussetzung dafür ist die Verwendung von nährstoffarmem Substrat bei der Anlage des Schutzwalls, so dass sich magere Böden entwickeln können. In Verbindung mit einer extensiven Schafbeweidung als kostengünstige Pflege können sich so bei Verwendung geeigneter Ansaatmischungen blütenreiche Wiesen entwickeln, die durch Hecken und Gebüsche strukturiert sind. Dadurch ergibt sich ein attraktiver Lebensraum u.a. für viele Vogelarten und blütenbesuchende Insekten, z.B. Tagfalter. Zur Anlage der Gehölze werden standortheimische Sträucher verwendet, z.B. Schlehe (Prunus spinosa), Weißdorn (Crataegus monogyna) und Hecken-Rose (Rosa canina).
Erläuterungstafeln zum Lebensraum und zu einzelnen Tier- und Pflanzenarten entlang des geplanten Pfades auf der Dammkrone können den Erlebniswert eines Dammbesuchs steigern.
Der Aufstieg zur Dammkrone kann auch als Rampe angelegt werden. Ein Geländer erleichtert den Auf- bzw. Abstieg.
•    Querungen an der Betriebsstraße sollten durch Baumtore markiert werden.
•    Ein Radweg parallel zur Betriebsstraße passt hervorragend in ein überörtliches Radwegenetz.
•    Für den Spazierweg entlang des Schlichbachs bis zur Andreasstraße sollte der östliche Weg aufgegeben werden, da die Parzellen auch noch von einem weiter östlich gelegenen Wirtschaftsweg aus erschlossen sind. Der westliche Weg dagegen bietet eine Verbindung auch zum Weg Richtung Wasserturm. Für den Bach bietet sich die Möglichkeit zur Abflachung und Bepflanzung des Ufers.
Im Rahmen einer Renaturierung wird für den Bachabschnitte nördlich der Andreasstraße die Initiierung einer lateralen Erosion und von Sohlenstrukturen durch gezieltes Einbringen von Totholz empfohlen, das gegen Verdriften gesichert wird. Bei entsprechender Flächenverfügbarkeit kann auch eine Laufveränderung zu einem den natürlichen Gefälleverhältnissen stärker entsprechenden gewundenen Verlauf angestrebt werden. Dabei sollte beachtet werden, dass der Pfad ein wenig vom Schlichbach abgerückt bleibt, um nicht durch zusätzliche Wegbefestigungen eine Gewässerrenaturierung durch Einschränkung der Uferdynamik zu behindern.
Die Wege sollten außerdem barrierefrei gestaltet sein. Dies kann eine wassergebundene Decke mit einseitiger Aufkantung (auf der bachabgewandten Seite) als Leitlinie für Blinde sein. Eine Breite von 1,50 m für diese Wege ist ausreichend.
•    An den Übergängen von Straßen (hier Andreasstraße) sollten Sitzmäuerchen und Baumtore die Einstiegsbereiche der Spazierwege auch als Aufenthaltsorte aufwerten. Die Straße könnte in diesem Abschnitt auch gepflastert werden.
•    Um den folgenden Wegeabschnitt (Andreasstraße – Dümpelgasse) ästhetisch ansprechender zu gestalten könnte eine einheitliche Grundstückseinfriedung (Hainbuchenhecken) der privaten Gärten beitragen. Solche Veränderungen könnte man durch Beratung der Eigentümer und Hilfestellung bei der Umgestaltung erreichen.
•    Dort, wo der Schlichbach auf den Dümpel trifft, kann das Ufer wieder auf einer Seite (Westen) abgeflacht werden und wie ober beschrieben umgestaltet werden. Der Weidezaun sollte weiter westlich der Uferrandzone gesetzt werden.

Abschnitt Dümpel (Folien Nr. 26 – 35; Bilder 31 – 47):
Insgesamt bietet es sich an auf der Fläche des Dümpels eine Bachrenaturierung mit landwirtschaftlicher Kulturpflege und der Versorgung des Dorfes mit einem Seniorenheim zu verknüpfen. Merken hat mit seinen ca. 3200 Einwohnern eine Grenze erreicht, wo der Dorfcharakter noch wahrgenommen werden kann. In erster Linie verleiht die Landwirtschaft dem Ort das dörfliche. Möchte man Merken sich nicht zu einem einfachen Stadtteil entwickeln lassen, muss dieses landwirtschaftliche Element auch in Zukunft als Kulturgut gepflegt werden. Hierzu könnte ein Kinderbauernhof in Kooperation von Grundschule und einem verbleibenden Seniorbauern aufgebaut werden.
•    Eine Obstwiese, Weidefläche, Freilauf für Federvieh und Ponyreitfläche lassen sich auf dem Dümpel unterbringen.
•    Der Bach sollte freier im Gelände verlaufen und eine entsprechende Uferausbildung erhalten. So können die Konflikte mit der zu nahen Nutzung durch die Bebauung der Georgstraße gelöst werden.
•    Ein Naturspielplatz, auf den auch Wasser aus dem Bach geleitet wird, lässt das Kinderherz höher schlagen und keine Langeweile aufkommen.
•    Zwischen Bach und Weide führt ein Spazierweg als „Giro Vitale“: Spielgeräte für Senioren werden entlang des Weges platziert.
•    Auf einem freien Baugrundstück jenseits des Baches könnte eine fußläufige Verbindung von der Peterstraße zum Dümpel geschaffen werden. Über den Bach hinweg ein kleines Seniorenwohnheim mit Begegnungsstätte gebaut werden. Hier müsste der Bach wie bei einer Mühle unter dem Gebäude (z. B. Glaszwischenbau) geführt werden.
•    Der Weg zwischen Seniorenheim und Dümpelgasse muss als Rettungszufahrt ausgebaut sein.
•    Ca. 8 - 10 Parkplätze könnten unmittelbar am vorhandenen Weg (Dümpelgasse) angelegt werden.
•    Der Bebauungsplan von 1968, sollte aufgehoben oder geändert werden, um den Dümpel auch planungsrechtlich als Frischluftschneise, zur Naherholung und für ein Seniorenheim zu sichern. Dass der Plan seit über 40 Jahren nicht realisiert werden konnte zeigt, dass die damalige Zielsetzung falsch war. Nach solch einer langen Zeit muss auch die Politik darauf reagieren.

Abschnitt Peterstraße - Park (Folien Nr. 36 – 51; Bilder 48 – 71):
•    Im Zusammenhang mit der Umlegung des Schlichbachs heraus aus den privaten Gärten in den Park hinein, könnte zwischen den Häusern Nr. 40 & 46 eine weitere Wegeverbindung von der Peterstraße in den Park geschaffen werden.
•    Beim Neuanschluss des Weihers in diesen neuen Bachverlauf kann evtl. auch ein Filterelement eingebaut werden, dass für die Wasserqualität des Baches eine Verbesserung bringt.
Dem Problem des Vandalismus sollte man durch mehr Öffnung, damit mehr Leben und folglich stärkerer sozialer Kontrolle, begegnen. Zerstörung wird oftmals der Jugend in die Schuhe geschoben. Doch zeigt sich bei genauerem Hinsehen auch, dass Parkbänke mangels Pflege verrotten und umkippen, dass Autoreifen, die dort entsorgt werden sicherlich von Erwachsenen dort abgelegt werden, denn die Jugendlichen fahren Roller.
Graffiti an hässlichen grauen Wänden ist nicht zweifelsfrei Vandalismus. Wenn wir den kleinen Kindern im Kindergarten und Grundschule beibringen, dass Wandbemalungen die Welt verschönern und ihnen Lob spenden, dann ist es unlogisch, es diesen Kindern sobald sie Jugendliche sind, zu verbieten. Vielmehr sollte man ihre Kreativität nutzen und ihnen gezielt unattraktive Wandflächen zur Verfügung stellen. Als Projekt könnte man auch Künstler gewinnen, die die Jugendlichen in der Graffitikunst unterrichten.
•    Die grauen Wände der Vereinsheime am Schützenplatz oder die Garagenwände am Parkzugang Cäcilienstraße sollten mit Graffiti oder Efeu verschönert werden. Auch eine Kletterwand an einem neuen Bürgerhaus zum Park hin wäre eine Bereicherung zum Training der Ganzkörpermotorik. Hier könnte ein Sportverein auch öffentliche Angebote machen.
•    Die Parkzugänge sollten durch Mauerpfeiler und repräsentative Blühbäumchen (z. B. Magnolien, jap. Kirsche, Flieder) und Rabatten aufgewertet werden.
•    Der Zugang von der Paulstraße aus sollte eine Pflasterung erhalten, so dass er sich optisch von der asphaltierten Hoffläche des Elisabethheims abhebt. Die Garage vor der Seniorentagesstätte ist ein erheblicher Störfaktor und sollte abgerissen werden.
•    Das Häuschen des Anglervereins kann als Kiosk (evtl. mit einem Grill oder Räucherofen) erweitert werden. Hier ist eine Kooperation von Angelverein und Jugendheim denkbar. Die Jugendlichen könnten eine kleine Kioskfirma aufziehen. Beispiele, wie so etwas möglich ist, gibt es schon an verschiedenen Schulen.
•    Eine Boulebahn läge zwischen Kindergarten und Seniorentagesstätte gut.

Abschnitt Schützenplatz – Grievenbend (Folien Nr. 52 – 60; Bilder 72 – 87):
Der Schützenplatz ist in erster Linie ein Platz zum Feiern und soll unter dieser Maßgabe weiter optimiert werden.
•    Um den Gedanken des durchgängigen Grünen Bandes konsequent umzusetzen, muss auch die Zaunanlage zwischen Park und Schützenplatz entfernt werden. Auch hier gilt, dass eine Öffnung mehr Menschen diese Wege nehmen lässt und dadurch auch mehr Sicherheit geschaffen wird.
•    Der Bolzplatzkäfig könnte im Süden mit Schlingknöterich oder Efeu begrünt werden. Es verringert die Blendung der Spieler auf das Südtor, die Pflanzen sind robust und brauchen kaum Pflege.
•    Statt der beiden Vereinsheime ist ein Kulturhaus (oder Bürgerhaus) als Gemeinschaftseinrichtung mit kleinem Saal und Andockmöglichkeit für das Festzelt möglich. Die bestehenden Gebäude aus den 1970er Jahren rufen zunehmend mehr Unterhaltungskosten hervor. Dass das Flachdach massiver Probleme bereiten wird, ist abzusehen. Mangelnde Wärmedämmung wird die Beheizung in wirtschaftlich schwierigen Zeiten zum reinen Luxus werden lassen. Daher sollte man über eine Gemeinschaftseinrichtung für die Vereine und die Stadt (Bezirksausschußsitzungen) konkretere Überlegungen anstellen. In der hier dargestellten Planskizze sind wir noch davon ausgegangen, dass eine Mehrzweckhalle zusätzlich trotzdem erforderlich ist. Nachdem im Arbeitskreis jedoch klar wurde, dass man sich hier die Verknüpfung all dieser Funktionen wünscht, wird für die nächste Arbeitskreissitzung ein entsprechender Entwurf vorbereitet.
•    Der vorhandene Spielplatz ist gut und offen angelegt und sollte auch dort verbleiben.
•    Die Recyclingcontainer sind jedoch hässlich am Eingang anzuschauen. Sie sollten auf die gegenüberliegende Straßenseite versetzt und komplett mit einer Buchenschnitthecke eingegrünt werden.
•    Am Grievenbend lässt sich ein Parkplatz mit ca. 30 Stellplätzen anlegen. Da er zum Grievenbend orientiert ist, sollte er einen guten Übergang zur Natur gewährleisten. Die Stellplätze könnten als wassergebundene Decke, Schotterrasen oder Rasenfugenpflaster befestigt werden. Eine Hecke zur Straße und zur Wiese hin, sowie Bäume alle 4 - 5 Stellplätze betten den Parkplatz harmonisch ins dörfliche Bild ein.
•    Um die Verrohrung des Schlichbachs auch für den Abzweig zum Weiher möglichst auf ein kurzes Stück zu reduzieren, kann der Parkplatz auch weiter Richtung Osten verschoben werden.
•    Aus dem Arbeitskreis kam die Anregung den Zufluss zum Weiher zu verbessern. Der Schlitz, der am Mühlenteich installiert ist, ist zu schmal und wird immer wieder vom Laub zugesetzt.
•    Auf der Fläche des Grievenbend soll der Bach renaturiert werden. Die Bachaue sollte nicht zu betreten sein, aber ein Spazierweg im Osten schafft eine an Wegeverbindung in Richtung Ruraue.

2. Gestaltung der Dorfmitte – Kurzworkshop (Folien Nr. 61 – 75; Bilder 88 – 103)
Als Einstimmung wurden zunächst einige Fotos von der Dorfmitte früher und heute gezeigt. Hauptkritikpunkt ist die Abschottung der Kirche durch die hohe Betonwand. Außerdem ist die Gestaltung des Platzes an der Paulstraße mit dem Ehrenmal seid über 40 Jahren nicht wirklich von den Menschen angenommen worden. Bei Festen zeigt sich, dass man sich immer noch auf der Südseite, dem ehemaligen Hauptzugang zur Kirche, versammelt.
Baulich spiegelt sich dies jedoch nicht wieder. Die lange Mauer des Ehrenmals bildet eine starke Barriere und ist für die Bewohner der Nordseite eine wenig erfreuliche Aussicht. Einzig wirklich positiver Aspekt im Dorfgeschehen ist, dass sich sowohl die Jugend wie auch die Senioren ohne Konflikte auf den Bänken ausruhen und treffen.

Bevor die Bürgerinnen und Bürger in Kleingruppen ihre Vorstellungen skizzierten wurde der Platz noch einmal bei einem kleinen Spaziergang wahrgenommen. Die drei Gruppenarbeiten werden für die nächste Arbeitskreissitzung aufbereitet und vorgestellt.

ASTRID URGATZ

PLANUNGSBÜRO URGATZ
DIPL.-ING. ARCHITEKTIN

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