Protokoll der 3. offenen Arbeitskreissitzung

vom 12. November 2009 im Pfarrjugendheim St. Peter in Merken.

Anwesend waren 17 Bürgerinnen und Bürger sowie Herr Steffens und Herr Sordon vom Planungsamt der Stadt Düren.
Herr Steffens begrüßte die Teilnehmer und stellte sich als neuer Leiter der Abteilung Planung im Amt für Stadtentwicklung vor.

Der Abend hatte vier Themen:
1. Nahversorgung - Das Beispiel DORV-Zentrum in Jülich-Barmen
2. Flächen mit baulichem Entwicklungspotenzial
3. Entwicklung der Baustile und Gebäudetypen
4. Baulicher Charakter der Dorfviertel

Exkursion nach Brüggen-Born am 31.10.2009

Herr Bernd Breuer hat zur Exkursion nach Brüggen-Born am 31.10.2009 einen kurzen Bericht auf die Website gestellt. Die wichtigen Erfahrungen sind hier nachzulesen. Er betonte, wie wichtig es ist, dass die Bürger aktiv werden und einzelne Projekte auf den Weg bringen.

Öffentlichkeitsarbeit

Um das Thema Dorfentwicklung in der Bevölkerung präsenter zu machen wurde ein erstes Plakat entworfen. Das Plakat behandelt einige Projekte mit und für Jugendliche.
Weitere Plakate z. B. zu den Themen Senioren und Projekte oder Dorfmitte könnten sukzessive erstellt werden. Man sollte sie an verschiedenen Stellen im Ort aufhängen.

Thema 1 "Nahversorgung"

Das Beispiel DORV-Zentrum in Jülich-Barmen
Zur Einleitung des Themas stellte Frau Urgatz die Kartierung des Bestandes an unterschiedlichen Nutzungen in Merken vor. Kartiert wurden:
ORANGE: 3 Bäckereien, 1 Metzgerei, 1 Drogeriemarkt, 1 Kiosk mit Wäschereiannahme, 1 Schreibwaren (Bücher, Foto, Kiosk), 3 Blumengeschäfte (mit Deko bzw. Grabmale), 1 Fahrradladen, 1 Elektoladen, 2 Modegeschäfte, 2 Baustoffhandlungen, 1 Autohändler
DUNKELBLAU: 1 Apotheke, 1 Mobile Altenpflege, 1 Physiotherapie, 1 Allgemeinmediziner,1 Zahnarzt, 2 Fußpflege
HELLBLAU: 1 Sparkasse, 1 Volksbank, 1 Frisör, Rechtsanwälte, Architekten, Steuerberater, Priv. Musikschule, …
TÜRKISGRÜN: 3 Kneipen, 1 Disco, 2 Imbiss, 1 Eiscafé
HELLGRÜN: 6 noch aktive Landwirte, 1 mit Weinhandel, 1 mit Direktvermarktung (kleines Angebot)
ROSA: Friedhof, 5 Spielplätze, Kirche, Grundschule, 2 Kindergärten, 1 Seniorentagesstätte, 3 Vereinshäuser, Bolzplatz, Sportplätze, Feuerwehr, Raum der Bezirksvertretung, Jugendheim, Mehrzweckhalle
BRAUN: 2 Silo (Umschlagplatz), Tür- und Fensterbau, Elektroinstallationen, Maschinenbau, Papierfabrik (nur noch Vertrieb?), Baubetrieb, CWS Lackfabrik

Die Entwurfsfassung des Einzelhandelskonzepts der Stadt Düren stellt Merken als „unversorgtes Quartier“ dar. Zu den Zielsetzungen heißt es: „Es wird darauf verzichtet, für diese Stadtteile […] zentrale Versorgungsbereiche in räumlicher Abgrenzung planerisch festzulegen, da diese Stadtteile zugleich auch […] ein Nahversorgungsquartier bilden, somit deren Versorgungsauftrag funktional bestimmt ist. Für diese wird definiert, dass Ansätze zur ortsteilbezogenen Nahversorgung (nur nicht-großflächige Angebotsformen) innerhalb des jeweiligen Siedlungskörpers, also städtebaulich integriert, gelegen sein müssen. Damit wird der innerhalb der Siedlungen bestehende Spielraum für mögliche Standorte und verfügbare Grundstücke soweit wie vertretbar genutzt, ohne dass dem Drängen mancher Handelsketten nach Zulassung von zwischen den Orten gelegenen Randstandorten nachgegeben wird.“ (Einzelhandelskonzept der Stadt Düren, Entwurf Stand 16.12.2008)  
Herr Frey vom DORV-Zentrum in Jülich-Barmen stellte ihr Konzept der Rundumversorgung im Dorf vor. Auf der Website www.dorv.de können Sie sich genauer darüber informieren. Deutlich wurde, dass jedes Dorf sein spezielles Konzept entwickeln muss. Der Barmener DORV-Verein ist ein hilfreicher Ansprechpartner, sie beraten mittlerweile europaweit aktive Dörfer.
In der kurzen Diskussion wurde deutlich, dass Merken eigentlich noch ein relativ großes Angebot hat. Aber in der Fragebogenaktion der IG Merken im letzten Jahr wurde nicht ohne Grund die mangelhaften Einkaufsmöglichkeiten von vielen Seiten erwähnt. Ein Weg könnte es sein, dass man einen der ortsansässigen Geschäftsinhaber zu einer Erweiterung seines Angebotes mit Lebensmittel bewegt. Als Vorarbeit ist eine genaue Bedarfsanalyse erforderlich. Solch eine Arbeit kann nur von den Merkenern selber geleistet werden.

Thema 2 "Flächen mit baulichem Entwicklungspotenzial"

Schon in der Zukunftswerkstatt hatte sich eine Gruppe mit dem Thema neuer Wohnbaugebiete beschäftigt. Allerdings lag damals der Fokus nicht auf die Belebung der innerdörflichen Grundstücke, sondern auf die weitere Ausweisung neuer Baugebiete am Dorfrand.
Zum Stichtag 31.12.2007 hatte Merken 3.331 Einwohner. Im Vergleich zum bundesweiten Bevölkerungsaufbau zeigt sich erstens, dass in Merken mehr Männer (52,2%) als Frauen leben. Zweitens zeigt sich, dass der demografische Wandel hin zu mehr älteren Menschen, in Merken etwa fünf bis sieben Jahre voraus ist. Folglich müssen die Anstrengungen dahin gehen, junge Erwachsene nach Merken zu holen und andererseits für die älteren Menschen ein ausgewogenes Netz an Infrastruktur im Ortszentrum zu schaffen.

Betrachtet man die Kartierung der Leerstände (rot), der freien Baugrundstücke (grün) und des landwirtschaftlichen Grundstückspotenzials (gelb) sowie die nicht grafisch dargestellten potenziellen Leerstände, so zeigt sich, dass gut 16% der Siedlungsfläche (ohne Straßen) für neue Bewohner oder andere Nutzungen zur Verfügung stünde. "Potenzielle Leerstände" sind Gebäude mit nur 1 oder 2 Bewohner, die gleichzeitig über 75 Jahre alt sind. Sie werden aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht veröffentlicht.

In einem zweiten Schritt zeigen die Karten die baulichen Projekte, die bislang im Dorfentwicklungsprozess erarbeitet wurden und die bereits im Verfahren befindlichen Bebauungspläne:

Seniorenzentrum am Dümpel
Bürgerhaus am Schützenplatz
Zweite Turnhalle an der Grundschule
Feuerwehr und Umkleiden an der heutigen MZH, Jugend-Rollerwerkstatt, Laden und Café am heutigen Feuerwehrstandort
Nahversorger und Seniorenwohnungen an der Paulstrasse. & Klapperstrasse
Bebauungsplan der CWS mit 40 Wohnbaugrundstücken: Verfahrensstand = 2. Offenlage beendet.

Bebauungsplan an der Paulstrasse/Angelastrasse mit 10-14 Wohnbaugrundstücken. Verfahrensstand: Aufstellungsbeschluss, frühzeitige Bürgerbeteiligung in Vorbereitung. Hier wird empfohlen keine weiteren Stichstraßen Richtung Süden vorzusehen (allenfalls ein Fußweg), damit die verbleibenden Flächen bis zur Autobahn nicht weiter versiegelt werden, sondern der Natur, der Landwirtschaft und der Naherholung zur Verfügung stehen. Außerdem sollte eine Fläche zur Anlage einer Ortsrandeingrünung mit standortheimischen Gehölzen vorgesehen werden. Ansonsten wird sich auch dort ein tristes Bild mit einem Einfriedungsallerlei jeglicher Geschmacksrichtung entwickeln.

Neuhausgässchen: Hier gab es eine Bebauungsidee, die jedoch zugunsten der Infrastruktur (Turnhalle) in dieser Form nicht weiter verfolgt werden sollte. Wenn der Grunderwerb an der Zufahrt des Neuhausgässchens (geringe Breite derzeit 2,80 m) möglich ist, so dass die Zufahrt auf ca. 3,50 – 4,0 m verbreitet werden kann (Rettungsweg!), so könnten dort noch 5 Einfamilienhäuser entstehen. Der denkmalgeschützte Hof an der Roermonderstraße 74 könnte, nach Aufgabe der Landwirtschaft an diesem Standort, die rückwärtigen nicht geschützten Anbauten abreißen und im Scheunentrakt Wohnungen mit Gärten ausbauen.

Auswirkungen

Folgende Auswirkungen auf die Bevölkerungsentwicklung müssen angenommen werden:
Bei Behebung der Leerstände, Wechsel in den potenziellen Leerständen sowie Bebauung den noch freien Baugrundstücke würde die Bevölkerung auf ca. 3.700 Einwohner anwachsen. Kommen jetzt noch die neuen Baugebiete CWS, Paulstrasse/Angelastrasse und Neuhausgässchen hinzu, so kratzt die Einwohnerzahl mit ca. 3.900 schon fast an die Viertausendermarke.

Die Merkener und die Politiker müssen sich mit der Frage auseinandersetzen, ob mit einer solchen Bevölkerungssteigerung, wenn auch der letzte Landwirt aus Merken verschwunden sein wird, die Lebensqualität "Dorf" noch realisiert werden kann. Mit jedem neuen Wohnbaugebiet werden proportional mehr Investitionen (gemeinschaftlich von Stadt, Bürgern und Unternehmern) in dörfliche Infrastruktur (Dorfökologie, Bürgerhaus, Sporthalle, Nahversorgung, Vereins-, Senioren- und Jugendräume, etc.) erforderlich sein. Bleiben diese Investitionen aus, wird Merken den Weg zu einem Stadtteil ohne besondere Qualität und Identität gehen.
Im Zusammenhang mit der Entwicklung, bzw. Veräußerung von Grundstücken werden oftmals falsche Wertvorstellungen gepflegt. Ein Aspekt dabei ist die Annahme, dass der Bodenpreis uneingeschränkt dem Bodenrichtwert des Gutachterausschusses entspricht. Dabei wird erstens übersehen, dass der für Merken angegebene Bodenrichtwert von 110 Euro/m² seit 2005 unverändert ist. Dies kann zwei Gründe haben, zum einen könnte der Preis sich tatsächlich stabil gehalten haben, und zum anderen könnte es sein, dass es in den Folgejahre nicht genug Vergleichsverkäufe gab, die eine Anpassung des Wertes nach oben oder unten begründeten. Im zweiten Fall ist der Richtwert also einer sorgfältigen Abwägung bzgl. der allgemeinen Marktsituation zu unterziehen. Der andere Gesichtspunkt, den man nie außer Acht lassen darf, sind die Merkmale des Vergleichsgrundstücks. Der Merkener Bodenrichtwert bezieht sich auf Grundstücke mit offener zweigeschossiger Bauweise, einer Tiefe von 35 m und einer Breite von 16 m. Grundstücke, die diesen Vergleichsmerkmalen genau entsprechen findet man in Merken allenfalls in den neueren Wohnbaugebieten. Im Großteil des Dorfes weichen die Grundstücke oft erheblich in diesen Punkten ab. Daher sollte man sich kompetente Beratung bei der Suche nach einem angemessenen Verkehrswert für sein Grundstück holen, um so lange Leerstände oder zu große Verluste zu vermeiden.

Projektvorschlag: Aktiv gegen den drohenden Leerstand in der Ortsmitte!
Schaffen eines Angebots an alle Immobilienbesitzer, die Veräußern oder Umnutzen möchten. Sie sollen eine Beratung bzgl. Nutzungs- und Gestaltungsperspektiven erhalten. Mit diesen Ideensammlungen, kann das Objekt in einem Flyer mit einheitlichem Design und auf einer Website innerhalb www.merkenonline.de präsentiert werden.
Einmal im Jahr könnte an einem Wochenende der „Tag der Merken-Immobilie“ veranstaltet werden. Dabei werden die Nutzungs- und Gestaltungsideen in den Häusern aufgehängt und die Eigentümer führen Interessierte durch die Räume.  Der entscheidende Unterschied zur klassischen Vermarktung mit der ausschließlichen Darstellung des Istzustandes ist die Werbung mit den Entwicklungsperspektiven. Wir müssen den Menschen positive Bilder präsentieren, um ihren Mut zur Investition von Kraft, Zeit und Geld zu entfachen.
Diese Ideensammlungen könnten auch in einer Kooperation mit Studentinnen und Studenten erarbeitet werden. Die Verknüpfung solch einer Aktion mit einem Dorfaktionstag wäre auch denkbar.

Thema 3 "Entwicklung der Baustile und Gebäudetypen in Merken"

Frau Wernicke (Studentin der Architektur) nahm bei ihrer baugeschichtlichen Betrachtung vornehmlich einige landwirtschaftliche Hofstellen ins Visier, da sie die bedeutende Substanz des Dorfes darstellen. In einem ersten Schritt wurde die Entwicklung von Zweiseit- bis Vierseithöfen anhand von Systemskizzen erläutert.
Merken ist ein Dorf, welches geprägt ist von der Landwirtschaft und der Entwicklung der Hofstellen vom 16. Jahrhundert bis heute. Aus diesem Grund zählt Merken hinsichtlich der Struktur zu den engen Haufendörfern, d.h. eng bebaute Straßen gruppieren sich um einen Dorfmittelpunkt. Die im Rheinland und der Eifel vorherrschende Realerbteilung hat dazu geführt, dass die Grundstücke zu gleichen Teilen auf die Erben aufgeteilt wurden und somit immer schmalere Grundstücke entstanden. Zuwanderung von Außen sowie die Bevölkerungsvermehrung während der Neuzeit, führten ebenfalls zu einer weiteren Verdichtung der Dorfstruktur. Die Qualitäten des Haufendorfs prägen das Lebensgefühl der Merkener, denn "Ohne Zweifel wirkten und wirken sie (dichte Haufendörfer) sich auch gegensätzlich auf das Verhältnis ihrer zusammengedrängten Bewohner aus […] Auch ungewollt trifft man sich sogar heute noch mehrmals am Tage. So weiß man mehr voneinander, als manchem lieb sein mag, teilt Freude und Kummer, kann aber auch Neid und Ärger nicht wehren. Der typische Engdorf – Bauer ist daher gesellig und nachahmungsbereit, aber zugleich misstrauisch, verschlossen und bestrebt, den Nachbarn zu übertreffen. Mancher fügte sich schließlich geduldig in die Begrenzung. Mancher brach aus, einst als Wanderhandwerker, neuerdings als Pendler in die nahe Stadt, wenn es ihn nicht forttrieb für Jahre oder für immer." (Quelle: „Bauernhaus und Landschaft“, H. Ellenberg, Seite 172).
Die vorherrschende Hofform in Merken ist der Dreiseithof- oder Vierseithof. Auf der Rückseite des Vierseithof stand die Scheune. Diese war oftmals ein queraufgeschlossener Fachwerkbau. Rechts von der Tenne befand sich die Banse für das Getreide. Der Stall ist links von der Banse und war in den meisten Fällen zweigeschossig, so dass im Obergeschoss das Heu gelagert werden konnte. Daran anschließend ist die Remise zu finden, die Platz für die Geräte und Fahrzeuge des Landwirts bietet.

Einzelbeispiele:

Gertrudisstrasse 1 - Eingetragenes Baudenkmal

Das zweigeschossige Fachwerkgehöft mit einer Satteldachkonstruktion stammt im Kern vom Ende 16. Jh.- Anfang 17. Jh. Die vielfach veränderte Fachwerkkonstruktion ist traufständig zur Straße und verfügt über eine rechteckige Toreinfahrt.
Die Herstellung von Ziegeln war kostenintensiv und das Angebot von Holz aus den umliegenden Wäldern noch reichlich. Erst durch die umfangreichen Rodungen - im Zuge des hohen Energiebedarfs der sich entwickelnden Industrien - und der damit verbundenen Holzknappheit, setzten sich Ziegelsteinfassaden in Merken durch. Um Merken entstanden auf den lehmigen Böden verschiedene Ziegeleien.
Das zweiraumtiefe Wohnhaus hat zur Gartenseite einen Herdraum mit Eingang unter der Tordurchfahrt. Straßenseitig liegt die Stube über dem Keller mit Tonnengewölbe aus Backsteinmauerwerk. In den Räumen des Obergeschosses sind Reste von „Kölner Decken“ erhalten. An der rückwärtigen Fassade des Obergeschosses finden sich große geblattete Kreuzstreben, sog. Schwertungen. Diese sowie die noch original erhaltenen Gefache der Giebelwand unter der Tordurchfahrt sind ein Beleg für das hohe Alter des Hauses. Vermutlich in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde das Wohnhaus unter partieller Beibehaltung der Fachwerkaußenwände grundlegend umgebaut. So wurden neue Geschossdecken mit neuen Binderbalken eingebaut und in der straßenseitigen Fassade wurden die Fensteröffnungen vergrößert.

Peterstrasse 77 - Eingetragenes Baudenkmal

Die Hofstelle befindet sich auf der Peterstraße in der Nähe des Dorfzentrums. Das Wohnhaus ist ein besonderer Fall der Hofstellen innerhalb Merkens, denn es handelt sich um ein altes zweigeschossiges Fachwerkhaus mit einer vierachsigen Fassade. Seine Entstehungszeit fällt in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts.
Der ehemalige Hof wurde über das nahezu quadratische Holztor auf der rechten Seite erschlossen. Zudem ist eine barocke im orientalischen anmutenden Stil gestaltete Schlupftür in das Holztor integriert. Der Hof ist ein Beispiel für den Übergang vom Fachwerk zum Mauerwerksbau. Das Erdgeschoss ist massiv aus Backstein gemauert und seit neustem verputzt. Die Maueranker an der Wandfläche des Erdgeschosses zeigen, wie die Wände horizontal miteinander verbunden sind. Das Obergeschoss ist geprägt von einem engständigen Fachwerk ohne aufwendiges Dekor. Die Gefache des Tragwerks sind ebenfalls mit Backstein ausgemauert und heute verputzt. Mit seiner Breite von 13,60 m ist es ein Zeugnis für wachsenden Wohlstand im Vergleich zu den Bauherren der Gertrudisstrasse 1. Der Grundriss ist hinsichtlich seiner räumlichen Aufteilung original erhalten, ebenso wie Teile der Kölner Decke. Denkmalpflegerische Belange wurden mit dem Einbau der sprossenlosen Ganzglasfenster in den originalen Holzgewänden und der Verputzung des Ziegelmauerwerks, anstatt dieses nur farbig zu schlämmen, ignoriert.

Peterstrasse 4 - Torbogen eingetragenes Baudenkmal

Das Grundstück der Peterstrasse 4 bietet mit seiner Breite von knapp 15m lediglich Platz für einen Dreiseithof. Der steinerne Torbogen aus dem Jahre 1598 ist der älteste noch erhaltene im Stadtgebiet Düren. Es kann gut sein, dass der Torbogen ursprünglich Bestandteil eines anderen Hofes war. Sicher ist jedoch, dass das Gebäude jüngeren Datums als der Torbogen ist, auch wenn die Formensprache der Fassade zeigt, dass es zu den frühen Gebäuden mit Backsteinfassade zählt.
Die Erschließung des traufständigen zweigeschossigen Wohnhauses erfolgt seitlich über das Hoftor. Die seitliche Erschließung des Wohnhauses lässt einen zweiraumtiefen Grundriss, wie im Beispiel des Hauses aus Eulenbruch (siehe auch Gertrudisstrasse 1) vermuten. Die Fassade ist nicht verputzt, sondern geprägt durch die Strukturierung des Ziegels. Insgesamt verfügt das Wohnhaus über drei vertikale symmetrische Fensterachsen, daran anschließend befindet sich rechts der überbaute Torbogen. Die Sockelzone wurde nachträglich bis zu der Fensterbank mit grauer Farbe hochgezogen. Optisch scheinen die Fenster des Erdgeschosses in den Sockel zu verschwinden. Die Fensteröffnungen in der Ziegelfassade zeigen mit ihrer Annäherung an ein Quadrat die zeitliche Nähe zu den vorher üblichen Fachwerkfassaden. Die quadratischen Öffnungen sind durch zweiflügelige Fenster optisch in die Höhe gestreckt. An den Fenstergewänden des Erdgeschosses wurden in neuerer Zeit wieder Fensterläden angebracht
Die Wandfläche ist zwischen dem Erdgeschoss und dem Obergeschoss noch nicht durch ein horizontales Fries gegliedert, so dass die anteilige Wandfläche massiger erscheint. Zwischen den Fenstern des Obergeschosses sind schlichte Maueranker zu finden, welche die gegenüberliegenden Wandscheiben  zusammenhalten. Die Fassade findet ihren Abschluss mittels eines Rollschichtfrieses an der Traufe.

Gertrudisstrasse 10

Das Gehöft ist in die Zeit zum Ende des 19. Jahrhundert einzuordnen. Der Ziegelbau gehört zu einem geschlossenen Dreiseithof. Ehemals gliederte sich die Gebäudegruppe in Wohnhaus, Scheune und Wirtschaftshaus. Die Fassade ist im Bereich des Wohnhauses in fünf symmetrische vertikale Achsen aufgeteilt. Die vertikale Achsensymmetrie ist bis zu den Dachfenstern konsequent verfolgt worden, so dass ein ganzeinheitlicher Gesamteindruck entsteht. Die Fenster, sowie die Haustür sind mit Blausteingewänden gefasst und betont. Über den Blausteingewänden ist ein hochkantig gestellter Ziegelsturz zu finden. Die gelben Fensterläden sind wie in der Peterstrasse 4 ein weiteres bedeutendes Gestaltungselement. Das Dach ist mäßig (bis 45°) geneigt, so dass im Dachgeschoss ausreichend Kopfhöhe zur Schaffung von weiterem Wohnraum gegeben war. Drei Toreinfahrten ermöglichen eine gute Erschließung des Hofes. Das Tor zur Straße ist mit Setzsteinen (Kämpfer) sowie mit einem Schlussstein aus Sandstein versehen. Die Ziegelfassade ist an der Stelle des Hoftores mit Hilfe eines Wechselspiels aus Läuferschicht und Rollschicht abwechslungsreich gestaltet. Gegenwärtig sind der ehemalige Stall und die anliegenden Wirtschafsräume zu Reihenhäusern (öffentlich geförderter Mietwohnungsbau) umgebaut worden. Die Wohnanlage mit dem zentralem Hofbaum, dem Sandkasten und Sitzbänken bietet einer überschaubaren Nachbarschaft qualitätsvollen Lebensraum. Eine solche Umnutzung kann auch in unterschiedlicher Wohnungsausstattung Vorbild für andere Merkener Hofanlagen sein.

Roermonderstrasse 74 - Eingetragenes Baudenkmal

Die inschriftliche Datierung im Keilstein des hofseitigen Hauseingangs ist auf das Jahr 1753 zu datieren. Die große vierflügelige Hofanlage ("Der Neue Hof") mit Satteldach steht traufständig zur Straße. Das zweigeschossige Wohnhaus verfügt über acht vertikale Fensterachsen. Die stichbogigen Werksteingewände mit Keilstein heben die Fenster optisch hervor. Die Öffnungen sind mit modernen Ganzglasscheiben versehen und wurden teilweise vergrößert. Im Erdgeschoss sind neue Schlagläden angebracht. Das Obergeschoss zeichnet sich hofseitig durch ein Fachwerk mit durchgezapften Ankerbalken aus.
In den Räumen sind zum Teil erhaltene Kölner Decken zu finden. Teilweise konnte am alten Wirtschaftsgebäude Backstein des 19. Jahrhunderts erhalten werden, ebenso wie die Satteldächer, welche zum Teil über originale Dacheindeckung verfügen. Die rundbogige Toreinfahrt auf der linken Seite wurde aus Backstein erbaut. Im Keilstein des Torbogens ist eine Inschrift zu finden, welche besagt, dass "Wer will bauen, in Gassen und Straßen, der muß Jecken und Narren reden lassen."
Ursprünglich bildete auch das Nachbargebäude (Nr. 72) mit dem Hof eine Einheit. Dort war eine Pferdestation (woran auch die Windrose erinnert) an der wichtigen Verkehrsachse eingerichtet. Üblicherweise gehörte eine Gastwirtschaft zu einer Pferdestation.
Die Fassadengestaltung gibt auch Auskunft über den Wohlstand des Bauherren. In diesem Fall hatte der Gutsbesitzer reichlich Vermögen, denn die Wände wurden aus Naturstein errichtet. Heute ist die Bruchsteinwand geschlämmt bzw. gestrichen, so dass die darunter befindliche Materialität noch zu erkennen ist.

Andreasstrasse 27

Das Gehöft Andreasstrasse 27 befindet sich am Rande des Dorfes und verfügt durch seine Lage am Dorfrand über einen direkten Zugang zu den ehemaligen Landwirtschaftsflächen. Der Hof ist zugehörig zu der Gruppe der Vierseithöfe, welche sich auf Bereiche mit Lössbödenvorkommen konzentrieren. Historisch ist die Hofanlage in die Gründerzeit einzuordnen, d.h. Ende 19. Jahrhunderts. Denn im Hinblick auf die Gestalt der Anlage sind verschiedene Elemente aus dieser Zeit zu finden. Sie verfügt über ein Wohnhaus, welches direkt von der Straßenseite aus erschlossen wird. Im hinteren Teil der Anlage sind die Scheune und der Wirtschaftsteil des Hofes zu finden.
Die ursprünglich einfache Ziegelfassade des traufständigen Gebäudes wurde nach dem ersten Weltkrieg mit einer Verputzung im Stil des Historismus versehen. Es war das Wohnhaus des Bürgermeistern und musste eine repräsentative Ausstrahlung erreichen. Die Prachtfront ist durch die Anordnung der Stichbogenfenster in sieben vertikale Achsen gegliedert. Auf der linken Seite befindet sich das rechteckige überbaute Hoftor, welches den landwirtschaftlichen Fahrzeugen die Erschließung des rückwärtigen Bereiches der Hofanlage ermöglicht. Danebenliegend ist ein nachträglich hinzugefügter Anbau im Stil des Bestehenden zu finden, der heute die Funktion einer Garage übernimmt. Insgesamt verfügt die Fassade des Wohnhauses über ein bestimmtes Proportionsverhältnis, welches zur Gründerzeit als ästhetisch ansprechend galt. Der Sockelbereich hebt den Baukörper optisch vom Straßenniveau ab. Die Höhe des Sockels beträgt ca. 1/10 der gesamten Gebäudehöhe. Erd- und Obergeschoss werden durch einen horizontalen Fries optisch voneinander getrennt. Die Haustüre liegt in der dritten vertikalen Achse. Des Weiteren ist sie durch ein Türgewände geschmückt, welches mittig über dem Türsturz seinen Höhepunkt durch eine florale Stuckdekoration findet. Die Fenstergewände sind ebenfalls mit floralem Dekor verziert. Die Höhe der Türgewände sowie der Fenstergewände befinden sich auf einer Ebene. Die Fensterbänke werden durch Brüstungsstücke verziert. Diese in der Antike statischen Elemente werden während der Zeit des Historismus auf ihren optischen Nutzen reduziert. Der Putz im Erdgeschoss in Natursteinoptik strahlt Festigkeit und Tragfähigkeit aus. Es ist ein typisches Gestaltungselement gründerzeitlicher Architektur.
Das Obergeschoss des Wohnhauses verfügt ebenfalls über geschmückte Fenstergewände, auch die Proportionen der Fenster sind denen im Erdgeschoss gleich. Das Fenster oberhalb des Hoftors ist mittig angeordnet und belichtet - vermutlich auf Grund der Fenstergröße, welche gleich ist mit den anderen des Geschosses - einen Wohnraum und nicht, wie oft üblich, einen Lagerraum. Das Obergeschoss schließt zum Dach hin ebenfalls mit einem horizontalen Fries ab. Das Dach ist als mäßig geneigte Satteldachkonstruktion (bis 45°) ausgeführt.

Elisabeth-Heim - Eingetragenes Baudenkmal

Das ehemalige Elisabethheim befindet sich im Zentrum Merkens und ist an der Paulstrasse gelegen. Der Weiher befindet sich auf der rückliegenden Seite des Gebäudes. Es zählt zu den verbliebenen Prunkbauten des Dorfes, welche den einstmaligen Reichtum der Unternehmer im 19. Jahrhundert wiederspiegelt. Der zweigeschossige Putzbau ist durch sieben Fensterachsen vertikal gegliedert. Mittig befindet sich die zweiflügelige Haustüre, welche sich mittels fünf Antrittsstufen vom Straßenniveau absetzt. Der Mittelbereich ist optisch risaltitartige der Fassade vorgelagert, zudem mit vier Stuckpilastern zwischen den Fenstern versehen, diese sind im Kapitell mit floralem Stuck versehen. Die beiden außenliegenden Säulen sind als Pilaster ausgeformt im Gegensatz zu den beiden innen liegenden Säulen, welche rundlich geformt sind. Dieser Bereich ähnelt im Stil einer alten Rustikafassade, welche auf Grund der überdimensionierten Steinformate nach Außen Stärke demonstriert.
Die zweiflügeligen Fenster mit Oberlicht im Erdgeschoss weisen ein Verhältnis von 1:2 (Breite zu Höhe) auf, so dass sie vertikal gestreckt erscheinen. Unterhalb der Fensterbank ist ein horizontaler Fries zu finden. Des Weiteren werden die Fensterbänke optisch durch darunterliegende Brüstungsstücke getragen. Diese Elemente erfüllen allerdings keine statische Funktion. Das Obergeschoss wird durch einen doppelten Brüstungsfries vom Erdgeschoss abgesetzt. Die Fenster der so genannten Beletage sind im Gegensatz zu den Fenstern des Erdgeschosses aufwendiger ausgearbeitet, so genannte Ädikulafenster befinden sich auf Konsolen, unterhalb der Fensterbank. Diese Elemente sind für den Neoklassizismus typische Rückbezüge auf die Architektur der Antike. An der Seite des Prunkbaus befinden sich Blindfenster um auch hier die Mittelachsensymmetrie konsequent fortzuführen. Das zurückspringende Mansarddach mit erneuerten Gauben setzt sich von dem Baukörper durch ein profiliertes Traufgesims ab.

Thema 4 "Baulicher Charakter der Dorfviertel"

Auf einer Karte ist Merken in verschiedene Bereiche, die ein unterschiedliches bauliches Erscheinungsbild aufweisen, unterteilt. Die Übergänge sind oftmals fließend. Insgesamt ist anzumerken, dass dem Dorf ein besonders prägendes, optisch reizvolles, Gesicht fehlt. Brüche in der Baugestaltung sind in jedem Straßenzug zu finden. Der Erhalt und die Sanierung des historischen Baubestandes unter denkmalpflegerischen Gesichtspunkten sollte auch für Gebäude, die nicht in der Denkmalliste eingetragen sind, voran getrieben werden. Hierzu sollte die Stadt Düren ein Beratungsangebot stellen, welches den Hausbesitzern angetragen wird.

A1 Historischer Siedlungsbereich:
Geschlossene Bauweise, historische landwirtschaftliche Hofstellen im Wechsel mit Gebäuden aus der Zeit seit dem 2. Weltkrieg. Größere Änderungen / Ergänzungen in den 1960er Jahren. Vorwiegend zweigeschossige traufständige Gebäude. Die ehemals vorherrschenden Ziegelfassaden wurden vielfach stark verändert. Heute inhomogene Fassadenmaterialien.
A2 Erweiterter historischer Siedlungsbereich:
Zwischen landwirtschaftlichen Höfen finden sich Einzelhäuser mit oder ohne Vorgartenbereiche. Offene Bauweise. Baugestaltung oft ohne Bezug zum Umfeld oder Regionaltypischem.
B1 Reihenhausbebauung:
Schmale, meist lange Parzellen. zweigeschossige, traufständige Gebäude. Ursprünglich vornehmlich mit Ziegelfassaden.
B2 Sonderform der Reihenhausbebauung:
Eine kleine Baugruppe an der Paulstraße vom Ende des 19. Jahrhunderts. Arbeiterwohnungen einer Ziegelei. Die zweigeschossigen, traufständigen Gebäude stehen mit dem "Rücken" zueinander, so dass jedes Mittelgebäude nur eine Fassade hat. Ursprünglich Ziegelfassaden, heute teilweise verkleidet.
B3 Sehr enge Doppelhausbebauung
der 1980er Jahre, die stark an Reihenhäuser erinnern.
C Einfache Doppelhausbebauung
ohne Vorgarten, im Siedlungsverband errichtet. 1930er Jahre. Eingeschossig, traufständig, Ziegel- oder Putzfassaden.
D1 Inhomogene Einzel- und Doppelhausbebauung
seit den 1970er Jahren, häufig mit Vorgarten. Ein- bis zweigeschossig, teilweise im Bungalowstil mit Flachdach.
D2 Inhomogene Einzel- und Doppelhausbebauung
der 1950er/60er Jahre. Meist ohne Vorgarten unmittelbar an der Verkehrsfläche errichtet. Zweigeschossig, vorwiegend Ziegelfassaden, teilweise auch verkleidet.
E Vier- bis Fünfgeschossiger Wohnungsbau
der 1980er Jahre, Flachdach (ein neueres Gebäude mit Pultdächern), inhomogene Fassadengestaltung (Putz, Faserzementplatten, Ziegel).

Astrid Urgatz

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