Bericht zur zweiten Bürgerwerkstatt 'Neugestaltung Dorfmitte'

Die Vorschläge bieten viel Raum für Diskussion

Die vier Entwürfe, die das Planungsbüro RMP aus Bonn am Abend des 14.04.2106 bei der zweiten Bürgerwerkstatt zur Neugestaltung der Dorfmitte als weitere Planungsgrundlage präsentierte, sorgten unter den anwesenden 60 Merkener Bürgern für teils kontroverse Meinungsbildungen. Besonders ein Vorschlag sorgte für Überraschung, da die Planer einen mutigen Weg einschlugen und eine Idee unter Einbeziehung einer privaten Fläche zur Diskussion stellten.
Dies ist nichts Ungewöhnliches unter Stadt- und Flächenplanern - bei den Bewohner eines Dorfes aber, in dem beinahe jeder jeden kennt, führt dies allerdings erst einmal zu einem unguten Gefühl. Allen war aber klar, dass dies ein sehr sensibles Thema ist und dass es sich erstmal nur um einen externen Vorschlag handelte.

Nach der Begrüßung durch den IG-Vorsitzenden Josef Bellartz leitete der technische Beigeordnete Paul Zündorf die Veranstaltung. Besonders erwähnenswert ist, dass sich erneut eine ganze Reihe Jugendlicher beteiligte und auch konstruktiv einbrachte. So wurde dann auch kurzerhand eine der vier Arbeitsgruppen speziell nur mit dieser Altersgruppe besetzt.

Jede Arbeitsgruppe konnte diesmal auf einen eigenen Raum im Jugendheim zurückgreifen und sich rund 45 Minuten intensiv mit den vier Plänen beschäftigen und detaillierte Ideen bzw. Kritik einbringen.
Anschließend stellten die Mitarbeiter des Planungsbüros die Ergebnisse der einzelnen Workshops im Plenum vor. Diese werden nun bewertet und fließen in einen zentralen Vorschlag ein, welcher erst durch die politischen Gremien läuft und dann vor dem endgültigen Beschluss durch den Rat der Stadt am 06.09.2016 in Merken öffentlich den Bürgern vorgestellt wird.

Hierbei verwies Paul Zündorf zum Abschluß der Veranstaltung darauf, dass nun das Planungsbüro die Aufgabe hat, die vielen Vorschläge und teils kontroversen Ideen auf Umsetzbarkeit zu prüfen, den Nutzen für möglichst alle Bürger zu bewerten und Nutzungskonflikte zu vermeiden.
Ein Beispiel hierfür ist sicherlich der ÖPNV. Speziell zu diesem Thema nahm der ehemalige Geschäftsführer der Dürener Kreisbahn und heutige Mobilitätsbeauftragte des Kreises Düren, Bernd Böhnke, an dem Workshop teil. Hier brachte er in der ersten Arbeitsgruppe wichtige Informationen des Nahverkehrsplanes ein, die es ebenfalls zu berücksichtigen gilt. Wie in allen anderen Bereichen soll es auch hier zu einer Win-Win-Situation kommen.

Im Nachgang setzten sich an diversen Stellen im Ort auf dem Nachhauseweg die Diskussionen fort. Dies zeugt davon, dass in Merken weiterhin ein hoher Bedarf an Mitgestaltung besteht. Die IG und auch der Bezirksausschuß werden die Planer auffordern, die Ideen im weiteren Dialog zu entwickeln.

Bereits am 19.05.2016 findet ebenfalls im Jugendheim eine öffentliche Sondersitzung des Bezirksausschußes statt, bei der die Planer einen Zwischenbericht zum Stand der Planungen abgeben sollen.
Im Rahmen der Geschäftsordnung wird der Vorsitzende den Bürgern nochmal die Möglichkeit bieten, Fragen an die Planer zu stellen.
Die Mitglieder des Bezirksausschusses werden im Anschluß daran eine Empfehlung für die dann später folgende Beschlußvorlage abgeben.


Einige Anmerkungen zu kritischen Kommentaren oder Fragen, die von Mitgliedern der IG Merken außerhalb der Diskussionen vereinzelt 'aufgeschnappt' wurden:


"Warum muss überhaupt etwas verändert werden?"
Grundlage dieser Planung ist der Dorfentwicklungsplan. Diesen hat die Bezirksregierung Köln nach der intensiven Beteiligung der IG an der Änderung des Braunkohlenplanes Inden und des zukünfitgen Wegfalls der kompletten Fläche im Merkener Nordwesten angeregt. Im Zuge des Tagebaus wird mit dieser Attraktivitätssteigerung dem Ausbluten des Ortes während der Tagebauphase entgegengewirkt.

"Das will doch keiner!"
Das sehen die vielen Bürger, die sich seit 2009 für den Ort einsetzten, natürlich anders. Und ohne diese starke und engagierte Bürgerschaft wäre der Prozess aufgrund der hohen Planungs- und auch Umsetzungskosten gar nicht bis zu diesem Punkt verfolgt worden.

"Das Geld sollte man lieber für etwas anderes einsetzten!"
Das geht nicht. Diese Planungs- und Umsetzungskosten sind teils Haushaltsmittel und teils Fördergelder - aber immer Zweckgebunden.
Also genau für diese Planungen. Die Alternative heißt 'Nichts'!

Vor 2009 gab es viele klagende Stimmen, in Merken würde nichts geschehen. Wir liegen "hinter der Autobahn", "am Stadtrand wird eh nicht investiert" oder "Niemandsland am Loch", sogar wörtlich "am Arsch der Welt..." genannt. Heute sind wir der Stadtteil Dürens, den alle anderen Orte beneiden. Denn plötzlich wollen auch andere so einen Plan - wir haben ihn bereits.

Nichts desto trotz wir werden die Planer fordern, die bestmöglichen Kompromisse unter weiterer Beteiligung der Bürger zu entwickeln.